Michael Schilling muss mit seinem Team auf Losglück hoffen. ©Christoph Breithaupt
Was noch vor wenigen Wochen wie ein Aprilscherz klang, ist nun Fakt. Am 1. Mai wird das Los entscheiden, wer in die 3. Handball-Liga, Süd aufsteigen wird.
Im Topf sind noch die SG Köndringen/Teningen und die TSG Söflingen. Das Drittliga-Ticket bereits sicher hat der TSV Neuhausen/Fildern, aus dem Rennen ist der TV Bittenfeld II.

Zur Vorgeschichte: Alle vier Mannschaften hatten sich um zwei Aufstiegsplätze beworben. Nach Rücksprache mit der Landesregierung war klar, dass aufgrund der Corona-Infektionszahlen keine sportliche Entscheidung bis zum Stichtag 15. Juni möglich sein wird, zumal die Oberliga-Vereine weiterhin keinen Profi-Status für die Aufstiegsspiele bekommen. So bat der Vorstand von Handball Baden-Württemberg die Vertreter des TSV Neuhausen/Filder, der TSG Söflingen, der SG Köndringen/Teningen und des TV Bittenfeld, sich auf zwei Aufsteiger festzulegen. Da sich die Vereine in einer folgenden Videokonferenz – nicht ganz überraschend – nicht einigen konnten, hat der HBW-Vorstand die Entscheidung getroffen.

Aufgrund der verschiedenen sportlichen Kriterien (unabhängig davon, wie viele Jahre einbezogen werden) sei in einem Ranking der erste Platz des TSV Neuhausen/Filder unstrittig gewesen, heißt es von Verbandsseite. Der Topfavorit war vor zwei Jahren unglücklich aus der 3. Liga abgestiegen und hatte danach knapp den Wiederaufstieg verpasst. Deshalb, so der Verband, „möchten wir den TSV Neuhausen/F. als Aufsteiger in die 3. Liga melden“.

Unstrittig in diesem Ranking sei auch der vierte Platz des TV Bittenfeld gewesen. Strittig waren lediglich die Platzierungen der TSG Söflingen und der SG Köndringen/Teningen. Daher hat sich der Vorstand dazu entschlossen, den zweiten Aufstiegsplatz unter diesen beiden Vereinen auszulosen.

Eine Entscheidung, die Michael Schilling nicht nachvollziehen kann. „Eine sportliche Entscheidung habe ich angesichts der Infektionszahlen nicht mehr erwartet. Das Losverfahren ist aber sehr unglücklich und ärgerlich für uns“, sagt der Coach der SG Köndringen/Teningen. Dem Altenheimer stößt vor allem das Ranking auf. „Der Verband hat mal ursprünglich selbst ein Ranking aufgestellt, in dem wir vor Söflingen lagen, und jetzt zählt das nicht mehr“, wundert sich Schilling. Seiner Meinung nach beziehe sich ein Ranking immer auf einen langfristigen Zeitraum, „tatsächlich lag Söflingen nur in der vergangenen, dazu auch noch abgebrochenen Saison als Vierter zwei Plätze vor Köndringen/Teningen“, so Schilling.

Bei der SG Köndringen/Teningen will man nun über das Wochenende beraten, ob man vielleicht noch rechtliche Schritte gegen die Entscheidung ergreift.

Das Losverfahren, so Schilling, hätten in der Videokonferenz alle vier beteiligten Vereine als „sehr unglücklich“ erachtet. Man hätte es unbedingt vermeiden möchten. „Wir haben durchaus verstanden, dass alle vier beteiligten Vereine das Losverfahren als schlechtestes Instrument zur Bestimmung der Aufsteiger ansehen“, heißt es dann auch in der Mitteilung des Verbandes, in dem der schwarze Peter indirekt aber auch wieder den Vereinen zugeschoben wird. „Ein geeignetes Instrument, mit dem alle einverstanden sind, wurde aber auch nicht genannt. Die Auslosung wird am 1. Mai in einer Videokonferenz stattfinden“, heißt es abschließend.

„Es ist enttäuschend, dass das Ganze über ein Losverfahren gelöst werden muss“, erklärt auch Söflingens Geschäftsführer Markus Brodbeck auf der Homepage des Vereins: „Meiner Meinung nach hätte man eigentlich die Wertung aus der vergangenen Saison heranziehen müssen, aber das wurde jetzt so entschieden, und daran können wir nichts ändern. Wir müssen jetzt hoffen, bangen und bibbern, dass wir gezogen werden.“

Letzteres gilt auch für die SG Köndringen/Teningen. Die Chancen auf die Drittklassigkeit stehen weiterhin bei 50:50. „Sportlich“, so Michael Schilling, „hätte ich sie gegen Söflingen für uns aber bei mehr als 50 Prozent gesehen.“ Unabhängig davon, findet der SG-Trainer auch den 1. Mai zu spät. „Vielleicht ist der Termin ja auch noch an eine möglichen Frist gebunden, ansonsten frage ich mich schon, warum man nicht gleich gelost hat“, so Schilling.

Große Freude über die Entscheidung herrschte natürlich beim TSV Neuhausen/Filder. „Nach dem unglücklichen Nichtaufstieg des Vorjahres war es unser großes Ziel, in dieser Saison aufzusteigen. Dass es jetzt geklappt hat, freut uns riesig, auch wenn es schöner gewesen wäre, es sportlich zu schaffen“, wird TSV-Coach Markus Locher auf der Homepage des Vereins zitiert.
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