Ole Andersen hat mit dem Handball-Drittligisten die erste Vorbereitungsphase auf die Anfang Oktober beginnende Saison absolviert. Im Interview gibt der dänische Trainer einen Einblick in die aktuelle Situation und analysiert die zuletzt getroffenen Entscheidungen rund um die 3. Liga.

Athletik-Trainer, Mental-Coach und ein großer Kader mit viel Qualität:  Nach der Corona-Zwangspause geht der TV Willstätt neue Wege. Dass der frühere Bundesligist aus dem Hanauerland die abgebrochene Saison in der 3. Handball-Liga als Absteiger beendete und nur die Klasse hielt, weil es keine Absteiger gab, ist Schnee von gestern. In der am 3./4. Oktober beginnenden dritten Spielzeit in Folge in der 3. Liga soll der Abstieg kein Thema sein. „Mit harter Arbeit und viel Leidenschaft“ will Trainer Ole Andersen „schönen und attraktiven Handball“ bieten. Auf eine Zielvorgabe mit Platzierung will sich der 63 Jahre alte Profitrainer aus Dänemark allerdings im Interview mit der Mittelbadischen Presse nicht festlegen lassen.

Nach der langen Corona-Zwangspause haben die Drittliga-Handballer des TV Willstätt schon wieder fünf Wochen Vorbereitung in den Beinen: Wie fällt Ihr Fazit aus?
Wir haben lange überlegt, ob Mitte Juni der richtige Zeitpunkt für den Trainingsstart ist, da wir nicht wussten, ob die Saison Anfang September oder Anfang Oktober startet. Im Rückblick muss man nun sagen, dass wir zu früh gestartet sind. Wenn wir gewusst hätte, dass die 3. Liga erst am 3./4. Oktober beginnt, hätten wir erst Mitte Juli mit dem Training begonnen. Das hätte gereicht. Das Gute an unserem frühen Start war allerdings, dass die Jungs sich in ruhigem Tempo physisch und konditionell steigern konnten – ohne Stress. Außerdem haben wir seit Donnerstagabend Trainingspause bis 10. August.

Mit Athletik-Trainer Pascal Meier, der die ersten drei Wochen das Training leitete und weiterhin in Absprache mit Ihnen ein bis zweimal pro Woche im Einsatz sein wird, gingen Sie neue Wege. Haben Sie wegen der Aufstockung der Liga von 16 auf 18 Teams und wegen der langen Pause mehr Angst vor Verletzungen bei ihren Spielern?
Nein, weil wir einen relativ breiten Kader haben. Dadurch werden wir keine feste Startformation haben. Wir haben viele Spieler auf ähnlichem Niveau. Ich werde deshalb viel rotieren. Sonst macht es auch keinen Sinn, dass wir zwei oder drei Spieler auf der gleichen Position haben.

Mit Andreas Goydke aus Osnabrück, der früher auch in Offenburg und Freiburg lebte, hat der TV Willstätt erstmals auch einen Mental-Coach verpflichtet: Was erwarten Sie von ihm?
Viel. Ich kenne ihn schon lange, allerdings sind wir fachlich nicht immer einer Meinung. Andreas Goydke war fünf Jahre in Teningen angestellt, da hat er einen super Job gemacht. Im  Handball spielt sich mehr und mehr im Kopf ab. Wir trainieren jeden Tag die Physis. Ich glaube aber, wir sollten lernen, auch die mentalen Dinge zu trainieren. Es geht um Konzentration, darum, schlechte Perioden wegzuwerfen und nicht in solchen Situationen hängenzubleiben

Der DHB hat vor einer Woche den Start der 3. Liga auf den 3./4. Oktober festgelegt: Sind Sie froh, wenn es wieder losgeht?
Ja. Wir freuen uns. Es liegt aber eine riesen Arbeit vor uns. Wir müssen hinkriegen, dass die Spieler nicht in dieser langen Vorbereitungszeit mental müden werden. Alle Spieler starten von Null. Jeder kriegt seine Chance, zu zeigen, was er kann.
Die 3. Liga Süd wurde nicht nur aufgestockt, sondern auch neu zusammengestellt. Die baden-württembergischen Mannschaften blieben, die Bayern kamen rein, die Pfälzer und Saarländer mussten raus. Wie finden Sie das?
Im Leben kriegt man nicht alles, was man will. Ich hätte gerne Hochdorf und Haßloch dabei gehabt, weil sie einfach zur 3. Liga Süd dazugehören. Bayreuth und Erlangen hätten wir nicht gebraucht. Beide sind sehr weit weg. Gut finde ich allerdings, dass Leutershausen und Großsachsen dazugestoßen sind. Sie gehören dazu. 

Ab 10. August beginnt die zweite Vorbereitungsphase. Dann gilt es das Spiel-Konzept herauszuarbeiten. Wie sieht das aus?
Wir werden mit zwei Abwehrformationen arbeiten: 3:2:1 als offensive Variante und 6:0 defensiv mit größeren Leuten. Dann sind wir nicht so leicht auszurechnen. Das Hauptthema bei uns ist allerdings, dass wir künftig so wenig wie möglich Wechsel Angriff-Abwehr vornehmen. Denn das Spiel wird immer schneller, und wir wollen schönen und schnellen Handball spielen. Dazu haben wir mit Daniel Schliedermann, Yanez Kirschner und Alexander Velz wahnsinnig schnelle Spieler.

Was ist Ihr Saisonziel, nachdem der TV Willstätt die wegen Corona abgebrochene Saison 2019/20 auf einem Abstiegsplatz beendet hat, der aber dennoch den Klassenerhalt bedeutete, da es keine Absteiger gab?
Ich will, dass wir Leidenschaft zeigen. Wir wollen eine Mannschaft mit Herz, die für die Gegner unangenehm ist und nie aufgibt. Außerdem wollen wir attraktiven und schnellen Handball spielen. Auf einen Tabellenplatz werde ich mich allerdings nicht festlegen. Mein Ziel ist es, dass alle Spieler am Ende der Saison sagen: Ich bin zufrieden, mit dem, was ich nach viel Arbeit geleistet habe. Das heißt dann auch, dass wir nicht abgestiegen sind.

Das Coronavirus ist noch nicht überstanden. Glauben Sie, dass die Saison diesmal zu Ende gespielt wird?  
Ich weiß es nicht. Ich finde aber, dass, wenn es einen positiven Corona-Fall in einer Mannschaft geben sollte, nur dieser eine Spieler in Quarantäne muss und die Mannschaft weiterspielt. Falls die ganze Mannschaft raus müsste, gäbe es Chaos.

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