Neue Herausforderung mit „viel Ehrgeiz, Wille und Kampf annehmen“.


Es war der große Abend des Abschieds in der stimmungsvollen „Schänzlehölle“: Erst sagte die HSG Konstanz der 2. Bundesliga – vorerst – „Auf Wiedersehen“, dann folgten sieben emotionale Verabschiedungen von teils langjährigen Spielern. Zur Nebensache geriet dabei fast die abschließende 26:31 (11:15)-Niederlage gegen den Dessau-Roßlauer HV.

Stattdessen wurde die HSG Konstanz von ihren Fans nach dem letzten Saisonspiel trotz einer sportlich enttäuschenden Saison noch einmal minutenlang vor und nach dem Schlusspfiff gefeiert, ehe Mathias Riedel, Michael Oehler, Konstantin Poltrum, Chris Berchtenbreiter, Felix Gäßler, Sebastian Bösing und Felix Klingler verabschiedet wurden. „Das waren sehr emotionale Momente“, meinte HSG-Cheftrainer Daniel Eblen. „Es ist schade, immer wieder Auf Wiedersehen sagen zu müssen, aber das gehört dazu. Dies birgt zugleich immer neue Chancen.“

Zuvor hatte der Konstanzer Übungsleiter dafür gesorgt, dass alle scheidenden Akteure bis auf die verletzten beziehungsweise kranken Spieler Sebastian Bösing und Felix Gäßler  noch einmal ihre Einsatzzeiten bekamen. Konstanz legte denn auch gleich furios los, traf zum 2:0 durch Tom Wolf und legte bis zum 7:6 nach 17 Minuten immer vor. Als Trainerfuchs Uwe Jungandreas jedoch seine Mannschaft komplett umstellte und fortan immer auf den siebten Feldspieler setzte, brauchten die Hausherren sehr lange, um sich auf die neuen Gegebenheiten aber auch Möglichkeiten einzustellen. „Wir waren im Vorwärtsgang überhektisch“, monierte Eblen. „Und wir haben viele Bälle verloren, nachdem wir lange in der Abwehr gestanden sind und vorne dann Fünf- bis Zehn-Sekunden-Angriffe gespielt haben. Das hat an den Nerven gezehrt.“

Erneut zogen sich frei vergebene Großchancen und zahlreiche Fehlwürfe auf das leere Tor der Gäste wie ein roter Faden durch die Partie. Ein Spiegelbild der Saison. Dessau nutzte die Konstanzer Konfusion routiniert, abgeklärt und vor allem höchst effektiv nach dem 8:8 mit einem 7:1-Lauf zur 15:9-Führung. Michael Oehler sorgte mit seinem zweiten Saisontor in seinem letzten Spiel für die HSG zwar noch dafür, dass sein Team mit „nur“ vier Toren Rückstand in die Kabine gehen musste, doch die Hypothek für die zweite Hälfte war nicht gerade klein. „Ich habe zuerst gar nicht gemerkt, dass der Torwart fehlt“, grinste ein aufgewühlter Michael Oehler später. „Es war einfach schön, zuhause noch einmal ein Tor zu machen. Es wurde schon gewitzelt, dass ich nur ein Tor werfen kann, wenn der Torhüter nicht im Kasten steht.“

Oehler machte die Niederlage an der Phase vor der Pause fest, als „15 Minuten gar keine Lösung auf den siebten Feldspieler gelungen ist. Dann sind wir auf einmal mit fünf Toren hinten und haben das die ganze Spielzeit mit uns herumgeschleppt.“ In der zweiten Halbzeit jedoch war die Lösung dann gefunden: Es wurde mehr Druck auf den Ball führenden Spieler ausgeübt, dadurch Ballgewinne erzwungen und diese nun auch mit einigen Toren in das verwaiste Tor des Dessau-Roßlauer HV abgeschlossen. Tor um Tor kämpfte sich Konstanz nun heran, nachdem Felix Krüger einige einfache Tore aus dem Rückraum einstreute. Krüger war es auch, der nochmal Hoffnung aufkeimen ließ. Noch achteinhalb Minuten waren zu spielen, als Krüger zum 22:24 verkürzte. Dessau behielt jedoch die Nerven, fand die richtigen Antworten auf eine stärker werdende HSG und brachte den Sieg dennoch über die Zeit. Große Freude hatte Eblen allerdings an den beiden Nachwuchshoffnungen Joschua Braun und Samuel Löffler, die sich beide jeweils zweimal mit schönen Treffern in die Torschützenliste eintrugen und Vorfreude auf die kommende Saison weckten.

Was folgte war minutenlanger Szenenapplaus für die erneut unterlegene HSG und sieben Verabschiedungen, bei der die eine oder andere Träne verdrückt wurde. Oehler: „Es gab diese Woche ein, zwei Tage, an denen ich alleine am See saß und alles Revue passieren lassen habe. Ich bin normalerweise sehr emotional bei solchen Dingen, doch direkt nach dem Spiel konnte ich alles noch gar nicht richtig realisieren.“ So richtig realisieren konnte man an diesem Abend der großen Gefühle auf Konstanzer Seite auch noch nicht, dass nun ein neues Kapitel beginnt. In der nächsten Saison ist das Ziel, so Spieler und Verantwortliche kämpferisch, „um den Aufstieg mitzuspielen.“ „Das wird kein Selbstläufer“, betonte HSG-Präsident Otto Eblen in seiner Ansprache nach dem Schlusspfiff, „aber mit viel Ehrgeiz, Wille und Kampf werden wir diese Herausforderung annehmen.“

Die sieben Konstanzer Abgänge (von vorne): Konstantin Poltrum, Mathias Riedel, Felix Gäßler, Michael Oehler, Sebastian Bösing, Felix Klingler, Chris Berchtenbreiter. (Bilder: Peter Pisa) 

HSG Konstanz – Dessau-Roßlauer HV 26:31 (11:15)

HSG Konstanz: Maximilian Wolf (4 Paraden), Konstantin Poltrum (3 Paraden) (Tor); Patrick Volz, Mathias Riedel (3), Tom Wolf (3/1), Michael Oehler (1), Paul Kaletsch (5/3), Felix Krüger (3), Fabian Maier-Hasselmann, Joschua Braun (2), Tim Jud (1), Samuel Wendel (1), Chris Berchtenbreiter (4), Maximilian Schwarz (1), Felix Klingler, Samuel Löffler (2). Trainer: Daniel Eblen.

Dessau-Roßlauer HV: Döhler (3 Paraden/davon 1 Siebenmeter), Ambrosius (11 Paraden/davon 1 Siebenmeter) (Tor); Pavlicek (3), Vanco (6), Sohmann (7/3), Sliwka, Pfeiffer (1), Hanisch (4), Wasielewski (1), Schmidt, Hönicke (4), Zimmermann, Stryc, Hanner (3), Milkow, Zahradnicek (2). Trainer: Uwe Jungandreas.

Zuschauer: 850 in der Schänze-Sporthalle Konstanz.
Schiedsrichter: Jan und Manuel Lier.
Zeitstrafen: Konstanz 2 Min., Dessau 2 Min.
Siebenmeter: 4/7 (Kaletsch scheitert an Ambosius (19.) und neben das Tor (31.), Volz scheitert an Döhler (58.)) – 3/3.

HSG Konstanz  Dessau-Rosslauer HV

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